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17.08.2026

Wenn einer eine Reise tut

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…so kann er was erzählen. Wenn ein Chor eine Reise tut, dann kann noch mehr erzählt werden. Und wenn Chöre der Welt eine Reise tun, dann…

Vor knapp zehn Monaten hatte der CHOR AUDITE NOVA ZUG motiviert den Entschluss gefasst, sich erneut der Herausforderung zu stellen, sich mit Chören der ganzen Welt zu messen. Nach vergangenen Teilnahmen an den WORLD CHOIR GAMES, zum Beispiel in Linz oder Riga, war in diesem Jahr der schwedische Küstenort Helsingborg der Gastgeber.

Gut erreichbar mit Velo, Auto, Camper, Zug, Flug oder Fähre, sollte die Anreise jedem teilnehmenden Chormitglied sicher gelingen – würde man denken!

Einige kundschafteten schon Tage zuvor die Gegend und Auftrittsorte aus (inklusive des Mitverfolgens der letzten Feinschliffe beim Stimmen des Konzertflügels!). Andere erlebten wahre Krimigeschichten bei der Anreise: abgesagte Flüge wegen eines Orkans über Deutschland, kurzfristige Verschiebungen von Gates mit verpassten Anschlüssen, Ausfälle bei der Deutschen Bahn (ok, das ist normal) und obendrein Ausfälle bei der Schwedischen Bahn…

Trotz aller Widrigkeiten trafen die Letzten nur wenige Minuten nach der um 17.00 Uhr im Hotel Clarion Sea U angesetzten Probe ein. Die Motivation und das Ziel, am Sonntag eine der begehrten Gold-Auszeichnungen zu erhalten, waren spür- und hörbar. Selbst nach diesem Anreisekrimi wurde konzentriert geprobt und nach einigen Wochen Probepause wegen der Sommerferien eifrig wieder in Erinnerung gerufen, was zuvor geübt worden war.

Das Programm der ersten beiden Tage war und blieb straff! An diesem Abend blieb dem Chor nicht viel Zeit fürs Abendessen, denn die Eröffnungsfeier fand pünktlich um 19.30 Uhr in der Helsingborg Arena statt. Ein erster Eindruck entstand darüber, was es heisst, wenn 160 Chöre aus aller Welt eine Reise tun! Es war ein beeindruckender Moment, als die Flaggen von über 40 Ländern unter Jubel und Applaus willkommen geheissen wurden. Kontinente und Länder der Welt, vereint in der Musik – dies ging auch deutlich aus den beiden kurzen Ansprachen von Mats Sanders (Bürgermeister von Helsingborg) und Günter Titsch (Präsident von INTERKULTUR und der World Choir Games) hervor.

Nach diesem ersten Ankommen in Helsingborg ging es am Freitag Schlag auf Schlag weiter. Ausgeruht und vom reichhaltigen Frühstücksbuffet gesättigt, war die erste Probe bereits um 8.30 Uhr angesetzt – so früh hat der Chor wohl noch nie zusammen gesungen. Diese Probe zeigte dann nochmals eine deutliche Steigerung zum Vortag (womöglich besteht der Chor vorwiegend aus Lerchen!). Die beiden Wettbewerbsstücke «Verleih uns Frieden» von Felix Mendelssohn und «Ave verum corpus» von Edward Elgar wurden auf das letzte Tüpfelchen geschliffen.

Dann ging es zum Abmarsch in die Santa Maria kyrka für eine zackige, zehnminütige Aufstellungs- und Ansingprobe. Passte die Orgel? Hatte auch unser Pianist Alexandr (Sacha) Dudin den Dirigenten im Blick?

Anschliessend ging es direkt wieder zurück zur Probe der zweiten Tranche des Wettbewerbsprogrammes: «Cantate Domino» von Claudio Monteverdi und das Abschlusslied «The Ground» von Ola Gjeilo. (Nebenbei bemerkt: Ola Gjeilo war mit 11 Werken der zweithäufigst gespielte Komponist an den hiesigen Games, angeführt vom chinesischen Komponisten Yu Guan mit 15 Nennungen).

Der Nachmittag war ebenso durchgetaktet wie der Vormittag: Warm-up und Durchlauf des Programmes bereits in vollständiger Konzertkleidung. Die Abstimmungen der Musik gelangen immer besser, und die Choreinheit wuchs enorm zusammen. Dies zeigte sich besonders im allerletzten Durchlauf im Wartebereich des eigens zugeteilten Saals im Haus der Versammlung. Mit dem guten Gefühl «Ja, wir können das!» ging der Chor in den Wettbewerb.

Der Aufmarsch gelang. Dirigent Philipp Schmidlin gab den Einsatz, und die ersten Takte der Bässe leiteten die Vorführung ein. Der Chor füllte die Kirche mit viel Klang und Wärme. Dies war im Anschluss auch das eindeutige Feedback des zahlreich mitangereisten Publikums (manche würden sie auch Fans nennen): Der Chor verwandelte durch seinen Gesang die Kirche in einen Ort von raumfüllender Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit.

Auch der Chor nahm dieses Gefühl wahr, während er beim Abmarsch an vielen Daumen nach oben und zufrieden klatschendem Publikum vorbeigehen durfte. Für mich als Sopran-Sängerin war es rückblickend der schönste Moment: zu sehen, wie die Musik pure Freude in den Gesichtern auslöste.

Doch damit nicht genug für diesen Tag! Es ging praktisch nahtlos weiter – natürlich zu einer weiteren Probe. Die Stücke für das am selben Abend angesetzte Freundschaftskonzert wollten ebenfalls nochmals angestimmt werden: «Aï-na-na, danse des bergers anniviards» von Jean Daetwyler, «Besame Mucho» von Consuelo Vélazquez, «Your Soul Is Song» von Jake Runestad sowie «Tundra», ebenfalls ein Stück von Ola Gjeilo.

Die relativ spontane Änderung des Auftrittsortes vom «Hauptbahnhof» zum «Einkaufszentrum» verlangte eine gewisse Flexibilität des Chores. Hier zeigte sich, dass die Organisation eines grossen Anlasses nicht an allen Stellen immer reibungslos verläuft. Audite Nova-Mitglieder sind jedoch versiert genug, um schliesslich in einer akustisch herausfordernden Nische im Durchgangsbereich eines Einkaufszentrums ihre vorbereiteten Lieder zu singen und das Publikum zu begeistern.

Nach diesem intensiven Freitag blieben dem Chor zwei sehr entspannte Tage. Man konnte sich weitere Chöre an den verschiedensten Veranstaltungsorten anhören oder sich einfach durch die schöne Stadt treiben lassen. Am Samstagnachmittag traf sich der Chor nochmals zum Auffrischen des etwas in den Hintergrund geratenen Repertoires, um anschliessend an drei verschiedenen Orten in der Stadt spontane Singeinlagen darzubieten. Ein gemeinsames Abendessen rundete diesen Tag ab.

Und nun? Reichte es für die Gold-Auszeichnung?

Am Sonntagabend versammelten sich wieder alle Chöre in der Arena. Eine gewaltige Anspannung und Aufregung lag in der Luft. Unser Dirigent Philipp und Co-Präsidentin Evi durften wohl den Einmarsch ihres Lebens geniessen – umjubelt von Tausenden Menschen aus aller Welt, während wir wild unsere Schweizer Fähnchen schwenkten!

Schlussendlich… nicht ganz Gold. Aber eine Silber-Auszeichnung im Level VIII mit 18.29 Punkten anerkannte dennoch die sehr gute Leistung des Chores!

Die wirklich wichtigen Momente sind jedoch die, welche jedes Chormitglied zu erzählen weiss, wenn es eine Reise tut. Sei es das verbindende Gefühl, sich gemeinsam einer grossen Herausforderung gestellt zu haben. Oder das spontane Aufeinandertreffen von «Gueti Kombi» aus St. Gallen mit Audite Nova, um kurzerhand auf dem Platz gemeinsam zu singen. Unvergessen bleiben auch die entsetzten Gesichter bei der Nachricht, dass unser Freundschaftskonzert unter im Wind raschelnden Bäumen und mit einem beinahe auseinanderfallenden Marktstand-Klavier auf dem Vorplatz des Einkaufszentrums stattfinden sollte… und zu guter Letzt die Vermisstmeldung unseres Dirigenten (so ein Einkaufszentrum hat eben auch seine Vorteile: Man kann über das Mikrofon ausrufen: «CHOR AUDITE NOVA ZUG sucht seinen Dirigenten Philipp Schmidlin!»).

Das Zusammentreffen von Musik aus allen Kulturen und die unvergesslichen gemeinsamen Erlebnisse sind die Dinge, die wohl jedes Chormitglied mit auf den weiteren Weg genommen hat und in Erinnerung bleiben werden.

Sylvia Bello

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