Luminous Night –
Informationen zu den Werken
Johannes Brahms (1833-1897)
Johannes Brahms war Pianist und Dirigent und ist heute vor allem als einer der bedeutendsten deutschen Komponisten bekannt. Brahms’ Klavierstücke galten als schwer spielbar. Zudem führte sein Perfektionsdrang oft zu Verzögerungen, so dass die Verleger anfänglich seine Werke nicht publizieren wollten. Robert und Clara Schumann – mit ihr verband ihn eine lebenslange Freundschaft – setzten sich für den jungen Brahms ein und verhalfen ihm zur Berühmtheit in Deutschland.
Brahms übernahm verschiedene Chorleitungen und unternahm viele Konzertreisen. Ab 1866 weilte Brahms längere Zeit in der Schweiz. In Zürich komponierte er erste Teile seines Deutschen Requiems. Von 1868 bis 1878 führte die Zürcher Tonhalle-Gesellschaft 32 (!) Werke von Brahms auf. Die Sommer 1886 bis 1888 verbrachte Brahms in Thun, wo eine Bronzeplastik (im Volksmund «Brahmsrösi» genannt) an ihn erinnert.
1871 liess sich Brahms in Wien nieder und wurde von der internationalen Musikszene als Pianist, Dirigent und Komponist bewundert und verehrt. Die Texte zu den Zigeunerliedern sind eine Nachdichtung von Hugo Conrat, einem Bekannten Brahms’ aus dem Wiener Kreis. Sie basieren auf ungarischen Volksliedern, die das ungarische Kindermädchen der Familie Conrat zunächst übersetzt hatte. Brahms nannte sein Werk ursprünglich auch “Ungarische Liebeslieder”, und es kann als vokales Gegenstück zu seinen “Ungarischen Tänzen” verstanden werden. Zur Zeit Brahms’ war mit “Zigeunermusik” fälschlicherweise “Ungarische Volksmusik” gemeint. Die vom Chor Audite Nova Zug aufgeführten Zigeunerlieder (Op 103) und die vier Quartette (Op 92) gelten als lebendige, volksliedhafte Gebrauchsmusik auf hohem Niveau.
Zigeunerlieder Op. 103
Text: Nach dem Ungarischen von Hugo Conrat (1845-1906)
1. He, Zigeuner, greife in die Saiten ein!
He, Zigeuner, greife in die Saiten ein!
Spiel’ das Lied vom ungetreuen Mägdelein!
Lass die Saiten weinen, klagen, traurig bange,
bis die heisse Träne netzet diese Wange!
2. Hochgetürmte Rimaflut, wie bist du so trüb,
an dem Ufer klag ich laut nach dir, mein Lieb!
Wellen fliehen, Wellen strömen,
rauschen an den Strand heran zu mir;
an dem Rimaufer lasst mich ewig weinen nach ihr!
3. Wisst ihr, wann mein Kindchen am allerschönsten ist?
Wenn ihr süsses Mündchen scherzt und lacht und küsst.
Mägdelein, du bist mein, inniglich küss ich dich,
dich erschuf der liebe Himmel einzig nur für mich!
Wisst ihr, wann mein Liebster am besten mir gefällt?
Wenn in seinen Armen er mich umschlungen hält.
Schätzelein, du bist mein, inniglich küss ich dich,
Dich erschuf der liebe Himmel einzig nur für mich!
4. Lieber Gott, du weisst, wie oft bereut ich hab’,
dass ich meinem Liebsten einst ein Küsschen gab.
Herz gebot, dass ich ihn küssen muss,
Denk’, so lang’ ich leb, an diesen ersten Kuss.
Lieber Gott, du weisst, wie oft in stiller Nacht
ich in Lust und Leid an meinen Schatz gedacht.
Lieb ist süss, wenn bitter auch die Reu’,
armes Herze bleibt ihm ewig, ewig treu.
5. Brauner Bursche führt zum Tanze
sein blauäugig schönes Kind,
schlägt die Sporen keck zusammen,
Czardasmelodie beginnt.
Küsst und herzt sein süsses Täubchen,
dreht sie, führt sie, jauchzt und springt!
Wirft drei blanke Silbergulden
auf das Cimbal, dass es klingt.
6. Röslein dreie in der Reihe blühn so rot,
dass der Bursch zum Mädel gehe, ist kein Verbot!
Lieber Gott, wenn das verboten wär,
ständ die schöne weite Welt schon längst nicht mehr,
ledig bleiben Sünde wär!
Schönstes Städtchen in Alföld ist Ketschkemet,
dort gibt es gar viele Mädchen schmuck und nett!
Freunde, sucht euch dort ein Bräutchen aus,
freit um ihre Hand und gründet euer Haus,
Freudenbecher leeret aus!
7. Kommt dir manchmal in den Sinn, mein süsses Lieb,
was du einst mit heil’gem Eide mir gelobt?
Täusch’ mich nicht, verlass mich nicht,
du weisst nicht, wie lieb ich dich hab;
lieb’ du mich, wie ich dich,
dann strömt Gottes Huld auf dich herab!
8. Horch, der Wind klagt in den Zweigen traurig sacht;
süsses Lieb, wir müssen scheiden: gute Nacht.
Ach, wie gern in deinen Armen ruhte ich,
doch die Trennungsstunde naht, Gott schütze dich.
Dunkel ist die Nacht, kein Sternlein spendet Licht;
süsses Lieb’, vertrau auf Gott und weine nicht.
Führt der liebe Gott mich einst zu dir zurück,
bleiben wir vereint im Liebesglück.
9. Weit und breit schaut niemand mich an
und wenn sie mich hassen, was liegt mir daran?
Nur mein Schatz, der soll mich lieben allezeit,
soll mich küssen, umarmen und herzen in Ewigkeit.
Kein Stern blickt in finsterer Nacht,
keine Blume mir strahlt in duftiger Pracht.
Deine Augen sind mir Blumen, sind mir Sternenschein,
die mir leuchten so freundlich, die blühen nur mir allein.
10. Mond verhüllt sein Angesicht,
süsses Lieb, ich zürne dir nicht.
Wollt ich zürnend dich betrüben, sprich
wie könnt ich dich dann lieben?
Heiss für dich mein Herz entbrennt,
keine Zunge dir’s bekennt.
Bald in Liebesrausch unsinnig,
bald wie Täubchen sanft und innig.
11. Rote Abendwolken ziehn am Firmament,
sehnsuchtsvoll nach dir,
mein Lieb, das Herze brennt,
Himmel strahlt in glühnder Pracht,
und ich träum bei Tag und Nacht
nur allein von dem süssen Liebchen mein.
O schöne Nacht Op. 92 – I
Text: Georg Friedrich Daumer (1800-1875)
O schöne Nacht!
Am Himmel märchenhaft erglänzt der Mond in seiner ganzen Pracht;
um ihn der kleinen Sterne liebliche Genossenschaft.
O schöne Nacht!
Es schimmert hell der Tau am grünen Halm;
mit Macht im Fliederbusche schlägt die Nachtigall;
Der Knabe schleicht zu seiner Liebsten sacht.
O Schöne Nacht!
Spätherbst Op. 92 – II
Text: Hermann Allmers (1821-1902)
Der graue Nebel tropft so still
herab auf Feld und Wald und Heide,
als ob der Himmel weinen will
in übergrossem Leide.
Die Blumen wollen nicht mehr blühn,
die Völglein schweigen in den Hainen,
es starb sogar das letzte Grün,
da mag er auch wohl weinen.
Abendlied Op. 92 – III
Text: Friedrich Hebbel (1813-1863)
Friedlich bekämpfen
Nacht sich und Tag;
wie das zu dämpfen,
wie das zu lösen vermag!
der mich bedrückte,
schläfst du schon, Schmerz?
Was mich beglückte,
sage, was war’s doch, mein Herz?
Freude wie Kummer,
fühl ich, zerrann,
aber den Schlummer
führten sie leise heran.
Und im Entschweben,
immer empor,
kommt mir das Leben
ganz wie ein Schlummerlied vor.
Gabriel Fauré (1845-1924)
Gabriel Urbain Fauré gilt als einer der feinfühligsten und poetischsten Komponisten Frankreichs. Geboren wurde Fauré am 12. Mai 1845 in der südfranzösischen Stadt Pamiers. Schon früh erhielt er eine Ausbildung am Pariser Niedermeyer-Konservatorium, das auf Kirchenmusik spezialisiert war. Dort begegnete er seinem lebenslangen Freund und Mentor Camille Saint-Saëns, der ihn in die Welt der grossen romantischen Musik einführte. Nach Jahren als Organist und Chorleiter, unter anderem an der berühmten Kirche La Madeleine in Paris, wurde Fauré 1905 Direktor des Pariser Konservatoriums. In dieser Position prägte er Generationen von Musikern, u.a. Nadia Boulanger und Maurice Ravel. Am 4. November 1924 verstarb Fauré in Paris an einer Lungenentzündung.
Sein Werk steht an der Schwelle zwischen Romantik und Impressionismus: harmonisch kühn, voller lyrischer Schönheit und immer von einer leisen, eleganten Melancholie durchzogen.
Nocturne Nr. 1 in Es-Moll, Op. 33 Nr. 1
Das Nocturne Nr. 1 in Es-Moll, Op. 33 Nr. 1, schrieb Fauré um 1875, als er noch am Anfang seiner Karriere stand. Damals war die Gattung „Nocturne“ vor allem durch Chopin geprägt: träumerische Klavierstücke mit gesanglicher Melodie über sanfter Begleitung. Fauré greift diese Tradition auf, verleiht ihr aber eine ganz eigene Handschrift. Sein erstes Nocturne beginnt mit einer ruhigen, dunklen Melodie, die von weichen, wellenartigen Begleitfiguren getragen wird. Bald aber durchziehen feine harmonische Überraschungen und modulatorische Wendungen den Fluss der Musik – Momente, in denen man spürt, dass der Komponist subtil Spannung aufbaut, ohne die meditative Grundstimmung zu zerstören.
Es ist ein Stück, das weniger glänzt als vielmehr leuchtet – nicht mit lautem Pathos, sondern mit einem warmen inneren Licht. Man könnte sagen: Wer Faurés Nocturnes hört, hört nicht die Nacht als Drama, sondern die Nacht als vertrauten, träumerischen Raum. Dieses erste Nocturne war der Beginn einer Reihe von insgesamt dreizehn, in denen Fauré über Jahrzehnte hinweg immer neue Nuancen seiner poetischen Klangsprache entfaltete.
Heinrich von Herzogenberg (1843-1900)
Der österreichische Komponist Heinrich von Herzogenberg stammte aus einer französischen Adelsfamilie, welche während der Französischen Revolution nach Österreich umsiedelte. Für sein Jurastudium und seine Ausbildung am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde zog von Herzogenberg nach Wien. Dort lernte er seine spätere Frau Elisabeth von Stockhausen kennen, die als Pianistin und Sängerin tätig war und durch die er mit Brahms bekannt wurde. Seine berufliche Tätigkeit führte von Herzogenberg anschliessend über Graz und Leipzig nach Berlin, wo er ab 1885 Komposition an der Königlichen Hochschule für Musik unterrichtete. Durch eine sich intensivierende Erkrankung an Rheuma musste er seine Lehrtätigkeit in Berlin zunehmend häufiger mit Kuraufenthalten in Wiesbaden unterbrechen, bevor er schliesslich ganz nach Wiesbaden umzog.
Das Werk von Herzogenbergs umfasst Sinfonien, ein Violinkonzert, Kammermusik, Orgelmusik, Klavierstücke, Chorwerke und zahlreiche Lieder. In von Herzogenbergs Werk ist der Einfluss seines Freundes Johannes Brahms, dem der breiten Öffentlichkeit bekannteren Vertreter der Romantik, deutlich sichtbar.
Vier Notturnos Op. 22 – I
Text: Joseph von Eichendorff (1788-1857)
1. Wär’s dunkel, ich läge im Walde
Wär’s dunkel, ich läge im Walde,
im Walde rauscht’s so sacht,
mit ihrem Sternenmantel
bedeckt mich da die Nacht!
Da kommen die Bächlein gegangen,
ob ich schon schlafen tu?
Ich schlaf‘ nicht, ich höre noch lange
den Nachtigallen zu,
wenn die Wipfel über mir schwanken,
es klingt die ganze Nacht!
Das sind im Herzen die Gedanken,
die singen, wenn niemand mehr wacht.
Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901)
Der in Liechtenstein geborene Josef Gabriel Rheinberger verliess bereits mit 12 Jahren seine Heimat, um das Königliche Konservatorium in München zu besuchen. Nach seiner Ausbildung war Rheinberger in München als Organist, Komponist und Musikpädagoge tätig. 1867 wurde er zum Professor für Orgel und Komposition an der Königlich Bayrischen Musikschule ernannt und 1877 zum Hofkapellmeister des bayrischen Königs Ludwig II.
Rheinbergers umfangreiches Werk repräsentiert das Ende der klassisch-romantischen Epoche und beinhaltet zahlreiche Auftragskompositionen. Es umfasst u. a. Klavier- und Orgelmusik, geistliche und weltliche Chormusik, Sololieder, Kammermusik, Sinfonien, Konzertouvertüren und Opern. Vor allem seine 20 Orgelsonaten haben Rheinberger als Komponisten bekannt gemacht.
Die Nacht Op. 56
Text: Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Wie schön hier zu verträumen
die Nacht im stillen Wald,
wenn in den dunklen Bäumen
das alte Märchen hallt.
Die Berg‘ im Mondesschimmer
wie in Gedanken stehn,
und durch verworrne Trümmer
die Quellen klagend gehn.
Denn müd‘ ging auf den Matten
die Schönheit nun zur Ruh‘,
es deckt mit kühlen Schatten
die Nacht das Liebchen zu.
Das ist das irre Klagen
in stiller Waldespracht,
die Nachtigallen schlagen
von ihr die ganze Nacht.
Die Stern‘ gehen auf und nieder –
wann kommst du, Morgenwind,
und hebst die Schatten wieder
von dem verträumten Kind?
Schon rührt sich’s in den Bäumen,
die Lerche weckt sie bald –
so will ich treu verträumen
die Nacht im stillen Wald.
Ola Gjeilo (*1978)
Ola Gjeilo ist ein norwegischer Komponist und Pianist, bekannt für seine atmosphärischen Werke für Chor, Klavier und Streicher. Er studierte unter anderem an der Juilliard School in New York und am Royal College of Music in London. Gjeilos Musik verbindet skandinavische Klarheit mit Elementen aus Filmmusik, Jazz und klassischer Romantik. Neben seiner kompositorischen Arbeit tritt er auch regelmässig als Pianist auf.
Luminous Night of the Soul
„Luminous Night of the Soul“ ist ein eindrucksvolles Werk für Chor, Klavier und Streichquartett, das 2010 von Cantare Houston in Auftrag gegeben wurde. Es ist als Fortsetzung zu „Dark Night of the Soul“ gedacht, kann aber auch eigenständig aufgeführt werden. Der Text stammt von Charles Anthony Silvestri und enthält eine Strophe des Mystikers Johannes vom Kreuz (St. John of the Cross) Gjeilo kombiniert lyrische Chorsätze mit filmisch anmutenden Klanglandschaften, wobei das Klavier eine zentrale Rolle einnimmt. Das Werk besticht durch seine leuchtende, energiegeladene Atmosphäre und ein verbindendes musikalisches Thema, das in beiden Stücken erscheint.
Text: Charles Anthony Silvestri (*1965)
Long before music was sung by a choir,
Long before silver was shaped in the fire,
Long before poets inspired the heart,
You were the Spirit of all that is art.
You give the potter the feel of the clay;
You give the actor the right part to play;
You give the author a story to tell;
You are the prayer in the sound of a bell.
Praise to all lovers who feel your desire!
Praise to all music which soars to inspire!
Praise to the wonders of Thy artistry
Our Divine Spirit, all glory to Thee.
Text: St. John of the Cross (1542-1591)
O guiding night!
O night more lovely than the dawn!
O night that has united the Lover with his beloved, transforming the beloved in her Lover.

